Wie ich den 2. Platz beim MedAT in Wien erreichte

Sophie erreichte den 2. Platz in Wien! Ein Grund für ihren Erfolg: Ihr sturkturierter Lernplan. Was sonst noch für sie wichtig war erfahrt ihr hier.

Die klassische Frage: Warum Medizin?

Diese Frage wird wohl jedem (angehenden) Medizinstudent/ jeder (angehenden) Medizinstudentin einmal gestellt. Ich könnte jetzt lange darüber reden, wieso ich mich dazu entschlossen habe, Medizin zu studieren, ohne eine richtige Antwort zu geben. Also halte ich es kurz.

Nein, ich wusste nicht schon als Kind, dass ich Ärztin werden will. Ich weiß es immer noch nicht. In der Oberstufe, vor allem dank Biologie Wahlpflichtfach und einer begeisterten Professorin, entwickelte sich meine Liebe zu den Naturwissenschaften. Aber andere naturwissenschaftliche Studiengänge waren mir zu technisch, zu spezifisch, zu physikalisch. Immer wieder kehrte ich zum Studienaufbau auf der Website der Meduni Wien zurück. Schließlich musste ich nurmehr meine Angst vor dem Versagen überwinden. Warum dachte ich nun, ich wäre für das Medizinstudium geeignet?

Ich habe ein brennendes Interesse am menschlichen Körper, an Krankheit und der Wirkungsweise von Medikamenten und Impfstoffen. Ich lerne gerne, bin sehr konsequent und ehrgeizig. Und so kitschig es sich auch anhört, ich möchte die Welt besser machen und Menschen helfen, egal ob nun in der Forschung im Labor, oder als klassische Ärztin.

Nun stehe ich vor meinem ersten Semester an der Meduni Wien und kann es kaum erwarten, mit dem Studium zu beginnen! Die unzähligen Stunden des Lernens haben sich definitiv ausgezahlt.
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Du suchst noch nach einem Lernplan? Sophie hat ihren hier veröffentlicht: Sophie's Lernplan
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Vorbereitung, Tipps und Tricks

Vorweg möchte ich sagen: Es gibt keine Wunderlösung. Es gibt keinen Lernplan, der für jeden passt. Es gibt keine Strategie, mit der man, ohne zu üben, 100% bekommt. Wie man sich optimal vorbereitet, hängt von jedem Einzelnen ab. Hier spreche ich nur von meiner Erfahrung, was für mich funktioniert hat. Doch für mich war es auch hilfreich, andere Erfahrungsberichte zu lesen, mir einen Überblick über den Lernaufwand und das Angebot an Übungen zu machen und vor allem, um mir Hoffnung zu holen. Also gebe ich euch gleich eine Portion Hoffnung: Der MedAT ist schaffbar! Und ja, auch du kannst ihn schaffen!

Wie bekam ich also einen Studienplatz?

Ich entschied mich, gleich nach der Matura ohne Vorbereitung am MedAT teilzunehmen, um einen Einblick zu gewinnen. Ein Gap Year mit 5 Monaten in San Diego war schon seit Jahren geplant, deswegen hatte ich auch Zeit für die Vorbereitung auf den zweiten Versuch.

Durch die Ergebnisse des ersten Antritts hatte ich einen gewissen Überblick über meine Schwächen. Ich hatte ca. 53% erreicht, war also noch weit entfernt von einem Studienplatz (obwohl ich trotzdem in der besseren Hälfte war), und das Ergebnis spiegelte sich auch in den Untertests wider: überall ca. die Hälfte der Punktzahl, nur in Textverständnis, Mathe und den sozialen Kompetenzen war ich etwas besser. Jedoch war bei den kognitiven Teilen auch viel Glück dabei. Bei Wortflüssigkeit saß ich völlig planlos da und entschlüsselte sicher nicht so viele Wörter, wie ich Punkte hatte.

Nachdem ich einige Erfahrungsberichte gelesen hatte, war für mich klar, dass ich das zweite halbe Jahr meines Gap Years für die Vorbereitung verwenden würde. Das sollte auch für das Trainieren der kognitiven Untertests reichen. Mit dem Stoff für den BMS wollte ich schon früher anfangen, da ich im Sprachenzweig von Chemie und Physik nicht viel mitgenommen hatte und auch in Biologie die meisten Themen noch nie gelernt hatte. Deswegen bestellte ich mir als Übersicht über den Stoff das MedAT Skript von Elsevier und begann, es an den Wochenenden durchzuarbeiten. Während viele die paar Stunden am Wochenende in San Diego vielleicht anders verbracht hätten, war ich wegen meines ziemlich langweiligen Jobs froh, endlich wieder mental gefordert zu sein und etwas lernen zu dürfen. Die Stunden am Strand kamen trotzdem nicht zu kurz#Bis ich Anfang Februar wieder nach Hause kam, hatte ich das ca. 400-seitige Buch durchgearbeitet. Richtig gelernt hatte ich die Themen noch nicht, doch ich hatte mich bemüht, sie zu verstehen und gleich nachzurecherchieren, wenn etwas nicht klar war.

Im neuen Jahr ging es schon etwas ernster weiter. Hier sind meine wichtigsten Lerntipps und Erfahrungen für den BMS und die KFF:

BMS

Mir half vor allem, dass ich, bevor ich den Stoff zu lernen begann, ihn zusammengefasst hatte. Es fiel mir viel leichter, von meinen eigenen Notizen zu lernen, als aus dem Fließtext herauszulesen. Jeder hat da seine eigenen Vorzüge. Für manche reicht auch nur das Markieren, oder vielleicht ist ja auch nicht mehr Zeit vorhanden.

Für das Lernen ist meine Devise: Wiederholen, wiederholen, wiederholen und dann kreuzen, kreuzen, kreuzen. Ich verwendete die „Spaced Repetition Method“, wo ich immer einen, drei, sieben und schließlich zwanzig Tage nachher den Stoff wiederholte. Am dritten Wiederholungstag könnte man Aufgaben zum Thema kreuzen, damit man an den letzten Wiederholungstagen wirklich nurmehr das Wichtigste durchgeht. Mir hat auch geholfen, dass meine Mama mich während des Lockdowns täglich meine Wiederholungskapitel geprüft hat.

Ich bin zusätzlich zu diesen Wiederholungsdurchgängen noch zweimal den kompletten Stoff durchgegangen, aber nur, weil der Termin nach hinten verschoben wurde. In den letzten zwei oder drei Wochen sollte man noch einmal seine Schwachpunkte wiederholen.

Kognitive Fähigkeiten

So viel Angebot an Vorbereitungskursen, Übungsmaterial und Lernportalen. Eine oft gestellt Frage ist: Braucht man einen Vorbereitungskurs? Die frustrierende Antwort: Das kommt ganz auf dich an. Ich habe einen für die kognitiven Tests gemacht, doch ich kannte aus dem MedBreaker Buch schon fast alle Strategien. Was sehr wohl angenehm war, ist, dass man Übungsmaterial bekommt, persönliches Feedback, eine Testsimulation zur Selbsteinschätzung und schlussendlich Menschen kennenlernt, die dasselbe Ziel wie du haben. Wenn man in Niederösterreich lebt, werden die Hälfte der Kurskosten sogar rückerstattet! Lest euch dazu aber die genauen Voraussetzungen durch.

Das Allerwichtigste bei den kognitiven Fähigkeiten ist: Finde deine Strategien! Nimm dir wirklich die Zeit, Verschiedenes auszuprobieren, vor allem bei Merkfähigkeit gibt es da so viele Optionen, ob Major-Liste, Loki-Methode oder etwas ganz Eigenes. Das dauert zu Beginn und es sollte unbedingt dann noch genug Zeit eingeplant werden, um diese Strategien zu festigen und viel zu üben! Ich empfehle auf jeden Fall, sich über Monate hinweg mit den Untertests “Figuren Zusammensetzen, Zahlenfolgen, Wortflüssigkeit und Merkfähigkeit” auseinanderzusetzen. Außerdem ist es wichtig, ganze Durchgänge zu machen, um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern.

 

Bücher, die ich verwendet habe:

  • MedAT Skript von Elsevier. Vor allem Bio ist sehr verständlich erklärt, mit vielen Bildern. Manchmal zu genau, manchmal nicht genau genug, vor allem in Chemie und Physik habe ich selbst viel nachgearbeitet, Simple Club und Physikcoach Robert haben mich da manchmal vor einem Zusammenbruch bewahrt. Bei Biologie gelegentlich mit „Der Körper des Menschen“ von Faller und „Linder Biologie“ nachgearbeitet, die ich mir von meiner ehemaligen Bio Prof. ausgeborgt habe.
  • Die Strategien sind gut erklärt und es enthält viele Aufgaben. Vor allem bei Zahlenfolgen und Figuren werden sie aber schnell redundant. Aber gut geeignet, um zu Beginn die Strategien zu erlernen. Außerdem seit der 2020 Ausgabe in Simulationen eingeteilt, also kann man auch gut mit Zeit üben.
  • 700 BMS Fragen von Medinaut. Ich habe dieses Buch erst im Juli gekauft, aber ich wünschte, ich hätte es früher gehabt. Die Fragen sind nach Themen unterteilt und man kann super damit wiederholen und sein Wissen festigen. Außerdem bekommt man einen Überblick, was für den Test relevant ist und was nicht, und man weiß, wie die Fragen ungefähr gestellt werden.
  • MedAT Xtreme von Medinaut. Damit habe ich auch erst im Juli angefangen, doch dieses Buch ist auch zum Perfektionieren gedacht, meiner Meinung nach. Es bringt nichts, sich mit diesen Übungen zu beschäftigen, wenn man mit dem „normalen“ MedAT-Niveau noch Probleme hat. Die Aufgaben sind definitiv über dem Testniveau und ich konnte mich noch einmal fordern, schneller und besser zu werden. Nur von Wortflüssigkeit ließ ich meine Finger, weil es mir sowieso schon schwerfiel. Kein Grund, sich unnötig zu überfordern! Dank dieses Buches verging der kognitive Teil des MedATs wie im Flug und ich hatte fast nie das Gefühl, nicht fertig zu werden oder eine Aufgabe nicht lösen zu können. Somit schaffte ich sogar, in jedem kognitiven Untertest außer in Wortflüssigkeit, wo ich bei einem Wort anscheinend falsch gekreuzt habe, volle Punktzahl zu erreichen!
  • Textverständnis von Medinaut. Zuerst hatte ich diesen Untertest unterschätzt. Meine Simulationen haben aber gezeigt, dass ich mit der Zeit zu kämpfen hatte und oft auf Fallen hineinfiel. Dieses Buch habe ich in der vorletzten und letzten Woche durchgearbeitet. Die Texte sind auf hohem Niveau, der Zeitdruck ist wie beim Test und die Fragen oft gemein gestellt.

Diese Bücher kosten ziemlich viel. Ihr braucht auch sicher nicht alle, um den MedAT zu schaffen. Wenn ihr einige andere Leute kennt, die auch den MedAT schreiben werden, könnt ihr euch gegenseitig Übungen erstellen, oder euch das Kaufen der Bücher aufteilen und herumtauschen. Ich habe nicht in die Bücher geschrieben und sie danach zum Halbpreis an eine Freundin verkauft.

Nur lernen und das Leben vergessen? Nein!

Wie viel habe ich nun gelernt? 24/7? Nein! Ab Anfang März habe ich fünf Tage die Woche gelernt. Am Anfang noch 5 Stunden am Tag, später oft mehr, aber nie mehr als acht. Sich mindestens einen Tag die Woche vom Lernen freizunehmen ist unglaublich wichtig, um seinen Kopf freizubekommen und Energie zu tanken. Vor allem, wenn man über Monate hinweg lernt, sind die Ressourcen sonst sehr schnell aufgebraucht.

Mir hat auch geholfen, sehr viel Sport zu machen. Als im Juni die Corona-Maßnahmen gelockert wurden, ging ich viermal die Woche ins Karate Training. Das war dann doch ein bisschen übertrieben, aber es half mir, mich am Abend nach dem Lernen zu bewegen, meinen Kopf freizubekommen und ein paar FreundInnen dort zu treffen. Auch davor ging ich regelmäßig Radfahren und Laufen. Macht etwas, das euch Spaß macht und wo ihr abschalten könnt!

Wenn man mehrere Monate lernt, ist man auch nicht immer gleich motiviert. Ich hatte immer wieder Phasen, in denen ich nicht so viel übte, holte es dann aber in anderen Wochen wieder auf. Im Hinterkopf hatte ich nämlich immer ein paar motivierende Szenarien: Wie es sich anfühlen würde, wenn ich die E-Mail mit einer Studienplatzzusage bekäme. Wie meine FreundInnen und ich dann feiern würden, weil ich mit ihnen in Wien bleiben könne. Wie ich am ersten Tag die Medizinuni betreten würde (leider jetzt nur virtuell).

Einen großen Dank muss ich auch an meine engsten Freundinnen aussprechen. Bei diesen habe ich wirklich oft genug gejammert und gezweifelt, und sie haben mich immer wieder aufgebaut. Vor allem in den letzten Wochen sind sie oft am Abend vorbeigekommen und haben mich abgelenkt. Natürlich verdanke ich auch meinen Eltern, dass ich mich so intensiv vorbereiten konnte, denn sie unterstützten mich vollkommen.

Also sucht euch euer support network, sucht euch eure Motivationssprüche und haltet euch euer Ziel vor Augen! Der MedAT 2021 wartet auf euch!

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